Freitag, 20. September 2013

Literaturtipp: Die 5 Stress-Persönlichkeiten

Typologie zur Selbstdiagnose, Selbsthilfe und besserem persönlichen Stressmanagement
von Volker Hepp

Ratgeber gegen Stress und Burnout gibt es viele. Es sind Hype-Themen mit sehr ernstem Hintergrund. Aber nicht nur in den Köpfen der Schreiber, sondern leider auch in der realen Welt. Die starke Häufung der stressbedingten Erkrankungen ist besorgniserregend und betrifft mit ihren Auswirkungen sowohl Privatpersonen, Unternehmen und Verwaltungen. Wer stressbedingt erkrankt, fällt meistens lange aus und fühlt sich nachhaltig isoliert im Kreise der vermeintlich leistungsbereiten und fitten Mitmenschen. Viele Ansätze der Stressbewältigung basieren auf Achtsamkeitsübungen und Verhaltensänderungen.

Nur – was passiert, wenn sich die Verhaltensänderungen nicht langfristig durchhalten lassen oder wenn man für die Achtsamkeit buchstäblich zu gestresst ist? Oder gerade in achtsamen Momenten persönliche Themen auftauchen, die nicht gut tun oder die gar ängstigen?

Hier scheint Achtsamkeit und Verhaltensänderung zu kurz zu greifen, da manchmal gerade in der Stille und Entspannung Themen aus der eigenen Historie auftauchen, die im normalen Erleben so nicht bemerkt werden. Diese Situationen bieten dann einen möglichen Ansatz, sich die Aspekte der eigenen Stress-Persönlichkeit (also der Identitätsebene) näher anzuschauen und gleichzeitig zu versuchen, auf mehreren Ebenen aus der permanenten Anspannung zurück in die notwendige Entspannung zukommen. Auf jede Anspannung folgt eine Entspannung!

Da eine Stress-Persönlichkeit sehr komplex sein kann, ist es sinnvoll, diese Komplexität durch eine Typisierung abzumildern. Dadurch sind die 5 Stress-Persönlichkeiten entstanden. Sie dienen als tiefer gehender Erklärungsansatz der Hilfestellung. Ohne Erklärung gibt es keine Erkenntnis, ohne Erkenntnis und Verständnis keine Veränderung.

Die 5 Stress-Persönlichkeiten basieren auf dem NARMTM-Modell (Neuro Affektives Relationales Modell™) von Dr. Laurence Heller, der die Typologie, die Bewältigungsstrategien in detaillierterer, breiter und therapeutisch nutzbarer Weise erarbeitet und der Fachwelt zur Verfügung gestellt hat. Und daraus einen integrierten Ansatz mit therapeutischer Ausrichtung auf das Nervensystem und der Beziehungsebene entwickelt hat. Er setzt sich mit seinem Ansatz und seiner Art der therapeutischen Arbeit an die Nahtstelle zwischen psychologischen Problemstellungen und dem Körper. Mein Bestreben ist es, das NARMTM-Modell auf den Faktor Stress zu isolieren und für genau dieses Thema nutzbar zu machen. Sodass für Sie der Mehrwert entsteht, damit sofort loslegen zu können – mit dem ersten Ziel Entspannung.

Aller Anfang ist die Geburt und das Ankommen auf dieser Welt. Vor, während und nach der Geburt machen wir unsere Erfahrungen mit Vertrauen, Bindung, dem Gefühl des gehalten werden und der Regulation von inneren Zuständen, sprich, die Regulation unserer Gefühle und Emotionen. Dazu benötigen wir unsere Umwelt. In der Regel ist die Mutter unsere erste Bezugsperson in unserem Leben. Sie hilft uns, uns sicher zu fühlen, uns zu beruhigen und zu bemerken, dass wir immer das bekommen, was wir aktuell benötigen. Wir erschrecken vor etwas und werden durch sie beruhigt, wir sind hungrig und werden von ihr gefüttert, wir sind traurig und werden von ihr getröstet, wir haben die Windeln voll und werden von ihr frisch gewickelt.

Was passiert, wenn diese Erkenntnis nicht vermittelt wird? Dann entwickeln Kinder Anpassungsleistungen, damit sie mit ihrer Umwelt besser zurechtkommen und die Umwelt mit ihnen. Ich nenne es Bewältigungs- oder Adaptionsstil. Bewältigungs- oder Adaptionsstile stellen für uns Menschen Erfolge der Bewältigung von Problemen dar, die unsere Umwelt verursacht, und auf die wir als Babys oder Kleinkinder in irgendeiner Form reagieren mussten.

Da unser Gehirn gerne auf Vergangenes zurückgreift, um die Zukunft zu prognostizieren, bleiben diese Bewältigungs- und Adaptionsstile fest in unserem Nervensystem und unserem Neokortex gespeichert. Manchmal entwickeln sich daraus auch Anteile unserer Identität.

Vielleicht fragen Sie sich nun, was das mit Stress-Persönlichkeit zu tun hat?

Mehr als Sie denken. Jede der vorgestellten 5 Stress-Persönlichkeiten reagiert auf der ihr innewohnenden Art und Weise auf internalen oder externalen Stress, basierend auf ihrer erlernten Fähigkeit (Bewältigungs- oder Adaptionsstil), sich selbst zu regulieren und mit erhöhten Belastungen im Innen und Außen umzugehen.

Selbsterkenntnis ist das zentrale Anliegen dieses Buches, um auf dieser Basis Schritt für Schritt weiterzugehen. Schritte alleine – aber in den meisten Fällen Schritte unter fachkundiger Anleitung und Begleitung eines Coaches oder Therapeuten. Nicht weil ich Ihnen so viel Veränderung alleine nicht zutraue, sondern deshalb, weil es unter fachkundiger Anleitung in der Regel leichter und schneller gehen kann. Manchmal braucht man diesen Spiegel des Gegenübers ohne die eigenen, allzu menschlichen Beschränkungen. Eigenhilfe ist bis zu einem gewissen Grad etwas Fantastisches. Aber, wenn Sie merken oder durch Ihre Umwelt darauf aufmerksam gemacht werden, dass Sie über einen gewissen Punkt selbst nicht hinauskommen, sollten Sie fachkundige Hilfe in Anspruch nehmen.

Typisierung erleichtert Ihr Leben!

Diese Typisierungen üben auf viele Menschen einen unwiderstehlichen Charme aus. Lassen sie doch relativ schnell erkennen, wo man selbst verortet ist. Durch diese schnelle Verortung besteht dann die Möglichkeit, sich ebenso schnell und zielgenau Hilfe zu suchen, sich zu verändern und von der eigenen Not zu erlösen. Gleichfalls, sozusagen als Abfallprodukt, hilft diese Typisierung auch dabei, seine Umwelt besser und schneller einordnen zu können. Das kann eine effektive Art des Stressabbaus sein, da das „Einordnen können“ zusätzlich Sicherheit bedeutet. Zur eigenen Entspannung ist Sicherheit sehr wichtig. An einem als unsicher empfundenen Ort werden Sie sich nicht entspannen können.

Auf der anderen Seite wehren wir uns gegen Typisierung, weil wir nicht gerne in Schubladen gesteckt, sondern in unserer ganzen und komplexen Persönlichkeit gesehen werden möchten. Jede Typisierung des komplexen Menschen vereinfacht und muss.

Aber gerade bei Stress ersticken wir manchmal sprichwörtlich an der Komplexität der Vorgänge und Stressoren. Dadurch verlieren wir leicht den Boden unter den Füßen. Da tut es – so meine Erfahrung – geradezu gut, diese Komplexität bewusst zu verringern, Muster, die Stress auslösen zusammenzufassen, um darauf aufbauend

• einzuordnen
• bewusst zu machen
• zu erklären
• Schritte zur Entspannung möglich zu machen
Denn nur das, was mir klar und bewusst ist, kann ich auch verändern und bearbeiten. Und es gibt keine der 5 Stress-Persönlichkeiten in Reinkultur. Auf der anderen Seite hilft dieser Ansatz, sich zu ordnen. Diese Ordnung ermöglicht einen Weg, aus Anspannung und Überlastung in einen entspannten und entstressten Zustand zu gelangen.

Die 5 Stress-Persönlichkeiten können helfen, die eigenen Stressoren schneller zu erkennen, um daraus abzuleiten, wo die Basis dafür gelegt worden ist. Dadurch wird die Vergangenheit effektiv von der Gegenwart, um die es geht, getrennt, um nach und nach in einen entspannten Zustand zu kommen.